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16 November 2005

 

Michael Glos MdB

Michael Glos MdB

07. November 2005
Rettungsschwimmer - Stoibers Ersatzmann Michael Glos (CSU) ist ein Mittelst�ndler - und ein begnadetes Schlitzohr
"FOCUS" 45/2005 - Bericht von Henning Krumrey

Ein Satz von Michael Glos rei�t seine Kollegen aus gr��ter Wut. "Wir brauchen jetzt Leute, die mitmachen", kommentierte der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe vor der versammelten Unions-Bundestagsfraktion seine Nominierung als Nachfolger des get�rmten Ministerkandidaten Edmund Stoiber (CSU). In donnerndem Applaus, br�llendem Gel�chter entl�dt sich nicht nur der Gl�ckwunsch f�r den Neuen, sondern auch der Zorn �ber den Abg�ngigen. Glos kann das nicht so stehen lassen: "Ich bin noch nie in meinem Leben so missverstanden worden." Wer ihn kennt, kann sich seine Unschuldsmiene vorstellen.

Das gr��te L�stermaul des Bundestags zieht ins Wirtschaftsministerium ein. "Fast h�tt ich gesagt", leitet Glos gern seine Sottisen �ber Feind und - mindestens ebenso gern - Freund ein. Nach der gezielten Gemeinheit folgt der Nachsatz: "Aber ich sag�s ja nicht" - und dann sein rau dahingebelltes Lachen.

Als M�llermeister pr�sentieren ihn die Medien, denn das steht als Beruf im Bundestagshandbuch. Doch wer glaubt, nun erklimme ein tumber D�rfler das Regierungsamt Ludwig Erhards (CDU), untersch�tzt den Unterfranken. Die M�hle steht still, die Landwirtschaft f�hrt der Sohn. Stattdessen leitet Glos senior als Vorstand die Unterfr�nkische �berlandzentrale, eine regionale Stromgenossenschaft mit 47 Millionen Euro Umsatz und elf Prozent Rendite. Dort rangiert der 60-j�hrige CSU-Mann, ein mit Wonne praktizierender Sozifresser, sogar selbst als Genosse. F�r den sch�nen Posten gibt�s freilich nur eine Aufwandsentsch�digung. Und f�r den Wirtschaftsminister - ausgerechnet zust�ndig f�r die Strombranche - muss es auch damit vorbei sein.

Im Haushaltsausschuss hat der junge Abgeordnete aus Prichsenstadt (nahe W�rzburg) gesessen, 1987 wurde er finanzpolitischer Sprecher seiner Fraktion, vier Jahre sp�ter verantwortete er als stellvertretender Vorsitzender Wirtschaft und Infrastruktur. Was in Unternehmen vor sich geht, erf�hrt er auch vom zweiten Sohn, einem Anwalt. Geschockt erz�hlte der Vater vom Angebot einer US-Kanzlei, die in Deutschland wachsen wollte: als Spezialistin f�r Insolvenzen. "Ein Praktiker aus dem Mittelstand", jubelt der Bundesverband Junger Unternehmer, sei "die erste wirklich konstruktive Regieanweisung im aktuellen Berliner Personaltheater".

Minister wollte Glos gern werden, doch seine Lieblings�mter - Wirtschaft und Au�en - schienen auf ewig dem potenziellen Partner FDP vorbehalten. Landwirtschaft hatte Glos schon 1994 als zu klein abgelehnt. Diesmal sollte er sogar leer ausgehen, weil Stoiber aus Furcht lieber Horst Seehofer einbinden wollte. Jetzt also doch das Wirtschaftsressort - just dank Stoibers Angst.

Vorauseilender Gehorsam herrscht in der M�nchner Staatskanzlei und im Landtag, "nacheilende Gerechtigkeit" nennt ein Kollege Glos� Karrieresprung. Zw�lf Jahre lang hat er die wei�-blaue Landesgruppe gef�hrt, als Scharnier zwischen den Schwesterparteien. Stoibers Mann in Berlin, Angela Merkels Mann in der CSU - diesen Balanceakt beherrscht er. In der bayerischen Staatspartei stellt er die Nummer zwei; nach Stoibers epischem Vortrag spricht regelm��ig der Strippenzieher im Vorstand.

Selbst Glos� Begr�ndung, warum er nun einspringe, enthielt noch einen Seitenhieb auf Stoibers Flucht in ruhigere Gew�sser: "Ich habe mich nicht jahrelang zum Rettungsschwimmer ausbilden lassen, um dann, wenn es st�rmisch wird, an den n�chsten Strand zu gehen und zu surfen."
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